«Lux Guyer»

Obere Schiedhalde Küsnacht 2014

Projekttyp: Denkmalgeschütztes Wohnhaus / Sanierung und Textilkonzept
Ort: Küsnacht, Schweiz
Originalarchitektur: Lux Guyer (1929)
Architektur Sanierung: Christ & Gantenbein Architekten
Zusammenarbeit: Richter Tobler Architekten / Inch Furniture
Textilgestaltung: Annette Douglas


Projektübersicht
Das Wohnhaus «Obere Schiedhalde» in Küsnacht wurde 1929 von der Architektin Lux Guyer, der ersten selbstständig tätigen Architektin der Schweiz, erbaut. Im Jahr 2014 wurde das Gebäude in enger Zusammenarbeit mit der kantonalen Denkmalpflege sorgfältig saniert und umgebaut. Im Auftrag von Christ & Gantenbein Architekten war Annette Douglas für das textile Konzept des Hauses verantwortlich.

Architektonischer Kontext
Bei der Auseinandersetzung mit Lux Guyers Werk entstand grosse Bewunderung für ihre mutige Haltung als Architektin und Unternehmerin. Prägend sind ihr experimenteller Ansatz, ihre erfrischende gestalterische Technik sowie ihre tiefe Verbundenheit mit dem Handwerk. In der «Oberen Schiedhalde» entsteht entlang jeder Blickachse eine vielschichtige Collage aus Material, Farbe, Muster und Kontrasten — mal expressiv, mal zurückhaltend. Dieses undogmatische Zusammenspiel bildet die Grundlage für das textile Konzept.

Textilkonzept
Für die Sanierung wurden Stoffe gewählt, die handwerkliche Qualität und die haptische Schönheit von Textilien betonen und Technik, Material und Funktion miteinander verbinden. Die Vorhänge sind heute in Farbigkeit und Materialität integraler Bestandteil von Guyers räumlichen Kompositionen.

  • Tagesvorhänge aus italienischem Leinen in gebrochenem Weiss, gefertigt in spezieller Dreher/Lino-Webtechnik
  • gewalkte Lodenstoffe aus der Steiermark zur Verdunkelung, melierte Wollstoffe, abgestimmt auf Struktur und Farbigkeit der mineralisch wirkenden Wandoberflächen
  • gemusterte Vorhänge in den Kinderzimmern mit bedruckten Leinen- und Baumwollstoffen («Strawberry Thief» und «Forest» von William Morris), inspiriert von Naturbeobachtungen der Arts-and-Crafts-Bewegung des späten 19. Jahrhunderts

Zusammenarbeit
Die Sanierung entstand in enger und inspirierender Zusammenarbeit mit Architekten und Bauherrschaft sowie im Rahmen intensiver Recherchen zum Werk von Lux Guyer.

Architektonische Wirkung
Das Projekt zeigt, wie textile Gestaltung denkmalgeschützte Architektur weiterdenken kann, indem historische Gestaltungsideen aufgenommen und durch Materialität, Handwerk und zeitgenössische Interpretation fortgeführt werden.

 

 

2023 Buch von Park Books „LUX GUYER Obere Schiedhalde“ erschienen. Herausgegeben von den Architekten Christ & Gantenbein, Sven Richter und Ludovic Balland. Mit einem Text von Annette Douglas „Meisterin der Collage“